KennzahlenAktualisiert am 14. Oktober 20263 Min. Lesezeit

Winrate berechnen: Formel, Beispiel und Grenzen

Die Winrate (Trefferquote) berechnest du, indem du die Zahl der Gewinntrades durch die Zahl aller Trades teilst und mit 100 multiplizierst. Wer 9 von 20 Trades im Plus abschließt, hat eine Winrate von 45 Prozent. Die Zahl sagt aber allein nichts darüber, ob du profitabel handelst, denn es kommt auch darauf an, wie hoch Gewinne und Verluste im Durchschnitt sind.

Die Formel

Winrate = Anzahl der Gewinntrades ÷ Anzahl aller Trades × 100

Beispiel: 20 abgeschlossene Trades, davon 9 mit Gewinn. 9 ÷ 20 = 0,45, also eine Winrate von 45 Prozent. Die Verlustquote ist das Gegenstück: 100 % − 45 % = 55 %.

Schritt für Schritt

  1. Lege den Zeitraum fest, etwa einen Monat oder die letzten 50 Trades.
  2. Zähle nur abgeschlossene Trades.
  3. Entscheide vorab, wie du Trades zählst, die genau bei null enden (Break-even). Üblich ist, sie separat zu führen. Wichtig ist, dass du die Regel konsequent beibehältst.
  4. Teile die Gewinntrades durch alle Trades.
  5. Rechne Gebühren ein: Ein Trade mit kleinem Gewinn vor Kosten kann nach Gebühren im Minus liegen.

Warum die Winrate allein nichts aussagt

Zwei Beispiele mit frei gewählten Zahlen:

Trader A: Winrate 70 %, durchschnittlicher Gewinn 50, durchschnittlicher Verlust 150. Erwartungswert pro Trade: 0,7 × 50 − 0,3 × 150 = 35 − 45 = −10. Trotz hoher Trefferquote verliert er Geld.
Trader B: Winrate 35 %, durchschnittlicher Gewinn 300, durchschnittlicher Verlust 100. Erwartungswert pro Trade: 0,35 × 300 − 0,65 × 100 = 105 − 65 = +40. Trotz niedriger Trefferquote ist er im Plus.

Die Winrate muss also immer zusammen mit dem Verhältnis von Gewinn zu Verlust betrachtet werden.

Die Break-even-Winrate

Welche Winrate du mindestens brauchst, hängt von deinem Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) ab. Die Formel lautet: Break-even-Winrate = 1 ÷ (1 + CRV). Gebühren sind dabei nicht berücksichtigt.

CRV (Gewinn : Verlust)Break-even-Winrate
0,5 : 166,7 %
1 : 150 %
1,5 : 140 %
2 : 133,3 %
3 : 125 %

Wie du das CRV für einen Trade bestimmst, zeigt der Artikel Risk-Reward-Verhältnis berechnen samt Rechner.

Beispiel: Winrate nach Setup getrennt auswerten

Erst die Aufschlüsselung zeigt, wo dein Vorteil liegt. Ein frei gewähltes Beispiel mit zwei Setups und je 30 Trades:

SetupTradesGewinnerWinrateØ GewinnØ VerlustErwartungswert pro Trade
Setup A301240 %120500,4 × 120 − 0,6 × 50 = +18
Setup B301860 %40800,6 × 40 − 0,4 × 80 = −8

Setup B hat die höhere Winrate, kostet aber im Schnitt Geld. Setup A gewinnt seltener, trägt dafür das Konto. Ohne die getrennte Betrachtung würdest du vermutlich das falsche Setup bevorzugen.

Weitere Kennzahlen, die du neben der Winrate brauchst

  • Durchschnittlicher Gewinn und Verlust je Trade
  • Profit-Faktor: Summe der Gewinne ÷ Summe der Verluste. Ein Wert über 1 bedeutet, dass die Gewinne die Verluste übersteigen.
  • Erwartungswert: Winrate × durchschnittlicher Gewinn − Verlustquote × durchschnittlicher Verlust
  • Maximaler Drawdown: der größte Rückgang vom Höchststand deines Kontos

Typische Fallen

  • Zu kleine Stichprobe: Bei wenigen Trades schwankt die Winrate stark durch Zufall.
  • Gewinne zu früh mitnehmen: Das hebt die Winrate, drückt aber oft den durchschnittlichen Gewinn.
  • Alles in einen Topf werfen: Berechne die Winrate getrennt nach Setup, Instrument und Uhrzeit. Erst dort zeigt sich, wo dein Vorteil liegt.

Die Winrate automatisch berechnen

In einer Tabelle ermittelst du die Winrate mit einer Zählformel. Ein Journal wie tradeble zeigt Win-Rate, durchschnittlichen Gewinn und Verlust, Profit-Faktor und maximalen Drawdown automatisch an und schlüsselt sie nach Instrument, Setup und Tageszeit auf. Wie du ein Journal aufbaust, steht in Trading Journal führen.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Winrate?

Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. Eine gute Winrate hängt vom CRV ab: Mit einem CRV von 2 : 1 reichen rechnerisch gut 33 Prozent, um vor Gebühren die Gewinnschwelle zu erreichen, mit 1 : 1 brauchst du 50 Prozent.

Wie viele Trades brauche ich für eine verlässliche Winrate?

Je mehr, desto besser. Bei wenigen Trades ist die Winrate stark vom Zufall geprägt. Betrachte sie über einen längeren Zeitraum und trenne nach Setups, statt einzelne Serien zu bewerten.

Zählen Break-even-Trades als Gewinn oder Verlust?

Das legst du selbst fest. Wichtig ist, dass du die Regel einheitlich anwendest, sonst sind deine Zahlen nicht vergleichbar. Viele führen Break-even-Trades als eigene Kategorie.

Ist eine hohe Winrate immer gut?

Nein. Wer Gewinne früh mitnimmt und Verluste laufen lässt, hat oft eine hohe Winrate und trotzdem ein negatives Ergebnis, wie das Beispiel von Trader A zeigt.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, bestimmte Finanzinstrumente zu kaufen oder zu verkaufen. Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden, du kannst dein eingesetztes Kapital ganz oder teilweise verlieren. Alle Zahlen in den Beispielen sind frei gewählt und dienen nur der Veranschaulichung.